C’è Specchio e specchio: Es gibt Spiegel und Spiegel

di Maurizio De Cicco

C’è Specchio e specchio: Es gibt Spiegel und Spiegel

8 Settembre 2025 multilingue Poesie 0
Fenicotteri rosa immobili sull’acqua, specchiati come pensieri in cerca di verità, tra superficie e profondità. Still pink flamingos on the water, reflected like thoughts seeking truth, between surface and depth.

C’è Specchio e specchio:

Es gibt Spiegel und Spiegel

 

 

Der Text erforscht den Kontrast zwischen Schein und Wirklichkeit, zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen äußerem Bild und innerer Substanz. Der anfängliche Vergleich zwischen dem ruhigen Meer und der nächtlichen Stille führt den Leser in das Herz der Reflexion: Was ruhig erscheint, kann unterirdische Turbulenzen verbergen. Dieses Topos wird dann auf das menschliche Innenleben übertragen: Welche unsichtbare Strömung bewegt das Herz des Menschen?

Die Analogie setzt sich mit dem Spiegel fort, der zum Symbol der Konfrontation mit sich selbst, aber auch mit dem göttlichen Abbild wird. Der Text bringt eine Spannung zwischen dem oberflächlichen Spiegelbild des Ichs und der Tiefe des Spiegels der Werke zum Vorschein, also einem ethisch-existenziellen Urteil, das über das äußere Erscheinungsbild hinausgeht. Deutlich ist der biblische Bezug auf „Abbild und Ähnlichkeit“, der die Komposition mit einer kraftvollen theologischen Frage abschließt: Wer soll sich in uns widerspiegeln?

 


 

Es gibt Spiegel und Spiegel

 

 

Der Schein des ruhigen Meeres,
wenn das Wasser,
in Abwesenheit von Wind,
zur Ruhe kommt
und das Aussehen
einer glatten Fläche annimmt,
hat denselben Wert
wie die scheinbare nächtliche Stille.
Alle, oder fast alle, schlafen,
doch im Hintergrund der Nacht
ist immer ein Geräusch da,
auch wenn nur sporadisch – man hört es.
Die Meeresströmungen
wirken verborgen in der Tiefe,
und doch scheint das Meer still zu stehen.
Und in der Tiefe unseres Selbst –
welche Strömung bewegt
unser Herz?
Welches Geräusch stört
unsere Gedanken?
Oder sind es vielleicht gerade sie,
die Ursache all dessen,
was uns stört und beunruhigt?
Und wenn wir die
glatte Oberfläche sein müssten,
auf der Gott,
sich spiegelnd und betrachtend,
sich selbst erkennen sollte?
Vor einem Spiegel
erscheint immer das Bild
jenes erdrückenden Ichs,
das in seiner Form
sichtbar wird –
körperlich, äußerlich,
ein sich bewegendes Gefährt,
solange es uns erlaubt ist,
uns zu bewegen
und zu handeln
in diesem irdischen Leben,
das nicht ewig ist.
Doch vor dem Spiegel,
dem echten,
dem der Werke –
was erscheint uns da?
Oder besser gesagt:
Wie wollen wir uns spiegeln?
Und vor allem:
Welches Abbild und welche Ähnlichkeit
sollen sich widerspiegeln?

 


Florenz, 15.06.2023 – 03:20 Uhr
Originalfoto: Tiziana Nardini

 

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